Die Haiggle 2026
Sujet: Mir nämme’s nit so gnau
„Hösch, Du Dotsch, was wotsch,
hesch ebbe Schiss vor em Pflotsch,
Lauf doch ändlig wie Du sotsch!“
Die Frau luegt mi esoo bees aa,
und seit, ich sig en alte, wysse Maa,
was ich als Fuessgänger gar nit verputze ka.
Derno lauft si „zack“ uf mi zue,
ihr frächs Grinse gitt mer kai Rueh
drum mach ich my Klappe zue.
„Hesch Angst?“ schnauzt si mi aa.
„Stell di doch nit so dämlig aa.
I gsehs dr doch vo wytem aa
Trausch di nit über die lääri Strooss.“
I froog mi numme, was hett die bloss?
Gib dr e Ruck, gib dr e Stoss! Jetzt gohts los!“
Si will an mir verby-laufe mit ihrem Kinderwage,
„Ich bi im Wääg“ gitt si mir dütlich z’sage,
und ich fyrcht, si will mir an Krage.
Bald an jedere Krizig gitts dä Strytt,
Wills allne pressiert und alli hänn kai Zytt,
Bis d’Ample ändlig Grien zum Laufe gitt.
Nit numme als Fuessgänger sonder au bim Velofaare
fyyhl ich, wie die andere mi numme bleed astaarre.
Jede Kaarre tuet ungeniert an mir verbyfahre,
wo-n-ich brav und lieb vor em Rotliecht stoh.
Unseri Verkehrs-Regle sinn ebbe eso, derno
au für die, wo riefe, „Joo, mir sinn mit em Velo doo„.
E Rot-Liecht wär jo Vorschrift, schriftlig wie myndlig.
Wär aber hytte no an s’Rotliecht glaubt, dä isch kindlig.
„Rot“ isch numme en Empfäälig, ganz unverbindlig.
Aber nit numme im Verkehr will jede allewyl grad starte.
Mir hänn ebbis verlehrt, nämmli s’geduldig Warte.
Jedi frei Minute starre mir sofort uf s’Händy,
Eso hett jedi Langwyyl sofort en Ändi.
Mir guugle („googeln“), geime („gamen“), spiile, tschätte („chatten“),
und nämme uns eso die Zytt, wo mir zum Läbe hätte.
Uf d’Fasnacht warte, uf drei Dääg blange derno
wään e paar in dr Clique au nymm. Si wänn yystoh,
und dr Morgestreich scho e bitz friehner afoh.
Si wänn dr Vieri-Gloggeschlag nit abwarte,
sondern e halb Stund friehner mit Ruesse und Pfyffe starte;
und heere derfyr am Ändstreich au e bitz friehner uff,
sage die Ungeduldige in dr Clique, und gänn no ein druff:
Eso gieng das zyttlig…. – rein rächnerisch – …doch uff.
Mit de Kinder isch es au als wie schlimmer.
Mit ihrne Handy werde die dymmer und dymmer.
Wenn d’Eletere si schicke ins Kinder-Zimmer,
ass si ihri Uffgoobe mache, und ebbis lehre,
ass si spöter emol nytzlig zur Gsellschaft gheere
frooge Kinder: Worum? Tue, Babbe, uns nit belehre!
Die Mächtige uf dr Welt maches uns doch vor:
Zum Presidänt schaffsch-es au mit vill Gschnoor.
Doderfyr muess me keini Uffzgi mache, Johr fyr Johr.
Und an Regle haltet sich sowieso kei Schwanz meh.
Landes-Gränze wänn Mächtigi scho lang nymm gseh,
Wer glaubt denn no an Verträäg, herrjemineh?
Die mächtigschte Presidänte vo dr Wält klopfe dr Taggt,
und alli marschiere brav im Schritt mit, und keine klagt.
Numme an dr Fasnacht hett uns en andere Ryhtmus paggt.
Mir laufe freehlig, muetig, ass uns s’Herz nit aabesaggt.
Mir sinn keini Statischte im Welt-Theater, dasch e Faggt!
